Weniger kann mehr sein

Eigentlich bin ich eine waschechte Kölnerin. Doch da mein Vater am Wochenende lieber GRÜN statt GRAU sehen wollte, fuhren wir in die Eifel, genauer: ins Gleeser Tal in der Nähe des Laacher Sees. Vielleicht kennst du dieses schöne Fleckchen Erde?


So kam es, dass ich meine Kindheit jedes Wochenende auf dem Campingplatz verbrachte. Ich fand es herrlich: maximale Freiheit, einen riesigen Abenteuerspielplatz vor dem Vorzelt & immer Spielkameraden die ihn mit mir erkundeten.

Ja, es könnte sein, ich sehe mit der rosaroten Brille auf diese Zeit, doch das ist für den Moment nicht wichtig ;) Wichtig ist, welches Gefühl ich aus dieser Zeit mitgenommen habe & was es in mir heute auslöst.


Unser Campingplatz war (nach heutigen Maßstäben) absolut uninteressant, denn es gab keine SuperDuperHighTec-Sanitärhäuser, keine Animation & kein Restaurant. Was es aber gab:

  • einen Wald mit Rehen & anderen Tieren

  • Familienzeit (heute: Quality Time)

  • Leben nach Helligkeit


Klingt einfach, war einfach.

& das ist es, was ich heute als Impuls mit dir teilen möchte:


Weniger kann mehr sein


Ich sage bewusst nicht "Weniger IST mehr", weil ich das so nicht sehe. Doch mich bewusst immer mal wieder zu reduzieren, hilft mir Abstand zum Alltag zu gewinnen & meine Gedanken zu sortieren. Den berühmten (gedanklichen) Schritt zurück zu machen um wahrzunehmen

  • Wo bin ich?

  • Was mache ich hier?

  • Wie geht es mir dabei?


Eine Standortbestimmung machen ohne, das mich Äußeres ablenkt.


Wir tendieren dazu uns mit immer mehr zu umgeben & immer mehr in unser Leben zu lassen. Laden uns mehr & mehr auf ohne dafür etwas auszusortieren oder weg zu geben. So horten wir in unseren Wohnungen/Häusern immer mehr Dinge, laden App um App auf unser Smartphone & legen Buch um Buch ins Regal um es irgendwann einmal zu lesen & wundern uns dann, warum wir uns so belastet & voll fühlen.


Mal ehrlich & Hand auf´s Herz:

Wann hast du dich das letzte Mal von etwas aktiv getrennt?

Aussortiert, was dir an Kleidung nicht mehr passt oder gelesene Bücher verschenkt?

Dich von Menschen verabschiedet, bei denen du schlechte Laune bekommst?


Warum fällt loslassen so schwer?


Ich selbst schaffe es auch nicht regelmäßig mich von Dingen zu trennen. Eigentlich wollte ich jedes Jahr einmal ausmisten & mich von Dingen befreien, die mich einengen (inklusive der Jeans, die nicht mehr passen ;) ) Doch wie schnell geht ein Jahr vorbei?


Mein Wunsch nach meiner persönlichen Freiheit, danach Neues zu entdecken & dabei von wunderbaren Menschen umgeben zu sein, ist tief in mir verwurzelt. So versuche ich aber zumindest immer wieder den gedanklichen Schritt zurück zu gehen & zu reflektieren:


Bin ich da, wo ich sein will?

Mit Menschen die mir wichtig sind?

Erlebe Dinge, die mich/uns weiter bringen & zusammen wachsen lassen?


Weniger kann mehr sein.


Weniger Menschen um mich herum,

mit denen ich dafür intensivere Beziehungen pflege.


Weniger Bücher im Regal, die ich dafür öfters lese

oder schneller zur Hand habe, will ich sie verleihen.


Weniger Apps auf meinem Handy,

dafür mehr Speicherplatz für Musik & den Soundtrack meines Alltags.



Doch um dahin zu kommen, muss ich mich halt auch

gegen etwas entscheiden.


Doch da sind diese Zweifel.

& was wäre, wenn ich diese Entscheidung bereue?

Wenn ich mich falsch entscheide?

Andere mit meiner Entscheidung verletze?


Was, wenn ich doch abnehme & die Lieblingsjeans mir dann wieder passt?

Was, wenn es mir das Herz bricht, während ich mich aus einer für mich toxischen Beziehung befreie?

Was, wenn ich keinen neuen Job finde der wirklich besser ist als der jetzige?

Folglich behalte ich die zu engen Jeans, lächle obwohl mir zum Weinen zumute ist & stehe jeden Werktag auf, obwohl mich die Schwerkraft im Bett halten will...


Lieber das bekannte Unglück,

als das unbekannte Glück.


Niemand kann mir meine Entscheidungen abnehmen. Mir hilft es, meinen Standort immer mal wieder, also ohne Not, zu bestimmen. Mir aktiv diese ruhigen Momente zu nehmen & zu reflektieren. So kann ich bewusster gegensteuern, nimmt mein Leben Fahrt auf in eine Richtung, die mir langfristig nicht gut tut.


Wenn du jetzt glaubst, bei mir lief immer alles super: Nein, tat es nicht.

Auch ich hatte schon einmal Mühe & Not mich aus einer für mich toxischen Beziehung zu befreien. Dafür lebe ich heute mit dem wunderbarsten Mann der Welt zusammen <3

Auch habe ich schon mal einen sicheren Job gekündigt, weil er sich mit den Jahren nicht mehr mit meinen Werten vereinbaren lies. Danach kamen 3 Jahre in denen ich 3 Arbeitgeber hatte. Doch heute bin ich glücklich bei dem, was ich tue & für wen ich es tue :)

& über die Jeans möchte ich jetzt nicht sprechen ;)


Was ist dir wichtig in deinem Leben?

Wofür würdest du gerne Platz schaffen?



Christine



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Loslassen










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