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Phrasen Bingo

Jeder kennt sie. Jeder hasst sie. Jeder nutzt sie. Phrasen, Worthülsen, Floskeln, Binsenweisheiten. Aber warum eigentlich? Was verbirgt sich hinter diesen wörtlichen Platzhaltern? Ich versuche dem mal ein wenig auf den Grund zu gehen (Bildsprachlich) & bei meinen Top Drei Möglichkeiten aufzuzeigen, wie man damit umgehen kann.

Ich erinnere mich noch genau an eine Tagung. Es ist schon ewig her, deshalb schreibe ich entspannt über diese Situation. Es war der erste Tag & auf der Agenda stand


Plenum von 13 bis 17 Uhr – Vorstellung der Ergebnisse aus den Abteilungen“.

😲


Zum besseren Verständnis:

An diesem Tag hatten alle Abteilungsleiter oder deren Vertreter die Chance ihre Abteilung & vor allem sich selbst auf der großen Bühne zu präsentieren. Wir, die wir im Plenum saßen, waren zum sitzen & zuhören verdammt. Verdammt? Ja, denn es war nur sehr selten wirklich spannend, was präsentiert wurde, & manch einer der Vortragenden machte es sich zum Sport noch mehr zu überziehen als sein Vorredner. So endeten diese Tage meist mit ein bis zwei Stunden Verzug.

Ich setze auf dein Verständnis, dass wir Kollegen uns irgendwann versuchten wach zu halten & unser Phrasen-Bingo ins Leben riefen. Jeder, der eine Worthülse hörte, notierte sie & führte Strichlisten, wie oft sie verwendet wurden. Die, die es zum Abendessen schafften, tauschten sich dann über die TOP10 des Tages aus.


Nein, im Nachhinein bin ich nicht stolz auf mich.

Wirklich nicht. Aber es war auch fürchterlich, was wir uns alles anhören mussten.


Es zeigt aber auch deutlich, wie wichtig es als Redner ist, sich seiner Worte & deren Wirkung bewusst zu sein. Ein sich ständig wiederholendes, dutzendfach gesagtes „nichts desto trotz“ tut irgendwann in den Ohren weh & sorgt eher dafür, dass das Gegenüber an etwas anderes denkt, als dass es sich auf den Inhalt fokussiert.



Doch warum bedient man sich überhaupt solcher Phrasen & Worthülsen?

Was kann man tun will man etwas ändern?


1.) Zeit gewinnen

Ein Grund ist, dass man in diesem Moment Zeit gewinnt seine nächsten Worte, Inhalte oder Aussagen im Kopf zu formulieren. Niemand muss bei den Worten „nichts desto trotz“ wirklich über irgendetwas Wichtiges nachdenken. Ich kann die Worte sagen & gewinne in diesem Moment die Zeit mich an den nächsten Punkt auf meiner inneren Moderationskarte zu erinnern bzw. mir zu überlegen „Was sag ich denn als nächstes?“ – wobei das ein sehr ungünstiger Moment ist darüber nachzudenken ;)

Was aber alle diese sinnfreien Lückenfüller eint: Sie verschaffen dem Redenden Zeit!

Jedes „Ähm, Öh, Ehem“, also Fülllaute, erfüllt den gleichen Zweck. In diesem Moment signalisiere ich meinem Gegenüber:


„Ich hab´s gleich.

Ich brauche nur noch einen kurzen Moment des Denkens.

Bitte warten Sie.

Der nächste freie Mitarbeiter ist gleich für Sie da.“


Phrasen & Worthülsen erfüllen den gleichen Zweck, hören sich aber, werden sie nicht zu häufig verwendet, deutlich besser & angenehmer an als gutturale Fülllaute.

Das schöne ist: Durch ein strukturiertes Kommunikations-Training (bei mir zum Beispiel) kann man als Redner an diesen Punkten arbeiten. & Erfolge stellen sich in aller Regel auch sehr schnell ein. Eine wirklich sehr befriedigende Arbeit – für den, der das Training macht, aber auch für mich, als Trainer!



2.) Wirkung auf Andere

Binsenweisheiten & Worthülsen klingen erst einmal mehr oder minder schlau.

Der Prophet gilt nicht viel im eigenen Land.

Holz kann man nicht schweißen.

Du sollst den Tag nicht vor dem Abend loben.

Vor den Erfolg hat der liebe Gott den Schweiß gesetzt.

Jeder kennt diese Sprüche, hat sie oft schon mehrfach gehört oder auch schon selbst genutzt. Somit hat jeder auch seine Erfahrungen damit, wie diese Sätze auf einen selbst wirkten, als man ihnen das erste Mal begegnete, & als man sie selbst das erste Mal verwendete.

Manch einer hat unglaublich gute Erfahrungen mit bestimmten Worthülsen gemacht & verwendet sie seither regelmäßig. Dazu kommt: Keiner der Zuhörer hat sich jemals beschwert oder signalisiert, dass der Inhalt a) nicht stimmt b) veraltet ist oder c) einfach nur in der Menge nervt. Will man seinem Gegenüber also a, b oder c als Feedback geben, braucht man starke Nerven, guten Willen & vielleicht vorab ein Deeskalations-Training bei mir ;)


Was mich aber auch gleich zum nächsten Punkt bringt:



3.) Einfach auch mal etwas sagen

& dann gibt es noch die Mitmenschen, die einfach eine Phrase nach der anderen aussprechen. Einfach so, um überhaupt irgendetwas zu sagen. Fällt dir auch jemand dazu ein? Mir sofort. Es gibt da diese an sich sehr liebendwerte Person. Aber wenn sie in größerer Runde das Gefühl hat unterzugehen, nicht gesehen oder gehört zu werden, bedient sie sich einer Worthülse nach der anderen.


Das haben wir doch schon immer so gemacht! Bewährtes wird nicht geändert. Es ist wie es ist. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Doch es ist noch immer gut gegangen. Lieber habe ich den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. Nichts desto trotz: Am Ende des Tages zählt nur das Ergebnis.


& so weiter. & so weiter.


Viele Worte, keine Aussage, aber Hauptsache auch etwas gesagt.


Will man hier ansetzen, etwas zu ändern, gilt es mit Empathie & Wertschätzung zu arbeiten. Denn viel zu oft geht es nicht um ein rhetorisches Training sondern viel mehr um das Thema Selbstwert, Selbstbild & Selbstbewusstsein.



Was glaubst du, warum man sich so oft solcher Floskeln bedient? Hast du selbst eine Lieblings-Phrase? Welche ist es? & für mich ebenso spannend: Welche Worthülse kannst du gar nicht mehr hören?


Mein mir ist es definitiv diese:


Das haben wir aber schon immer so gemacht !

Sag diesen Satz in meinem Beisein & wir haben sofort ein Gespräch 😉


Lächelnde Grüße

Deine

Christine Schäfer


vom

KOMMUNIKATIONSbuffet


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