Präkrastination - Immer alles gleich erledigen

Podcasts begleiten mich schon seit sehr langer Zeit. Hörte ich zu Beginn noch eher Mitschnitte von niederländischen Radiosendungen, weil es auch nicht so viel Auswahl gab, hat sich mit den Jahren ein wirklich vielfältiger Markt entwickelt. Seien es Hörspiele, Angebote der Öffentlich Rechtlichen Sendern, Fach-Dialoge, Interviews mit wechselnden Teilnehmern & noch vieles mehr.

Ein insgesamt wirklich begeisterndes Angebot, wie ich finde.

Wie ist es mit dir? Hörst du Podcasts?

& wenn ja: Welche kannst du mir empfehlen & warum?

Kommentiere einfach unter diesem Beitrag.


Ein Podcast dem ich schon länger folge, ist Betreutes Fühlen von/mit Atze Schröder & Leon Windscheid. Auf den ersten Blick zwei Personen die man entweder kennt & deshalb nicht zusammenbringt oder sich fragt „Wer ist das?“. Ich gehörte definitiv zur zweiten Gruppe & kannte Leon Windscheid bis zu diesem Podcast nicht. Er ist ein junger, kluger Kopf aus Münster, der im Bereich der Psychologie umtriebig ist. Er kann, vor allem in Kombination mit dem eher geerdeten Atze Schröder, hochwissenschaftliche Studien so erklären. Sie so mit Leben füllen, dass sie von jedem verstanden werden.


Eine Folge dieses Podcasts brachte mich auf das Thema Präkrastination. Bis dato kannte ich nur die Prokrastination – die bekannte Aufschieberitis. Schiebe ich beim PROkrastinieren wichtiges vor mir her & kann mich nur sehr schlecht & schwer motivieren etwas zu erledigen, ist es beim PRÄkrastinieren genau anders:


Stellt sich mir eine Aufgabe, erledige ich sie unmittelbar.

Für manch einen ist es sogar der Zwang, jede Aufgabe so schnell wie nur irgend möglich zu erledigen – was weg ist, ist weg.

Ein Beispiel

Ich bin im Büro & schreibe eine Email an einen Kunden. Währenddessen kommt eine Mail. Ich höre den Ton & sehe dieses kleine Feld unten. Ich kann nicht anders: ich muss gucken, was in der Mail steht. Könnte doch wichtig sein, oder?! Mein Kollege hat eine kurze Frage zu einem Projekt.

„Ach, das beantworte ich schnell…“


Zurück zur Mail davor, klingelt das Telefon. Mein Chef. Er hätte gerne eine Liste von mir. Bis wann, frage ich. Er meint, schnell schadet nicht 🙄 Also bleibt die Mail an den Kunden liegen & ich kümmere mich um den Auftrag meines Chefs. Der Kollege schreibt eine weitere Mail & fragt, ob ich aus meiner Antwort von eben eine Präsentation für den Kunden erstellen könnte?! Die wäre allerdings schon in wenigen Stunden… Ja klar kann ich 😬 Dabei kann ich auch gleich den Projektplan aktualisieren. Dann ist der wieder auf dem neuesten Stand. In der Zwischenzeit schreibt mir eine Freundin eine WhatsApp. Am Wochenende würde eine gemeinsame Freundin ihren Geburtstag DOCH feiern. Ob ich sie abholen könnte, fragt sie. & ob ich (wie immer) eine nette Idee für ein Geschenk hätte?


Ja“, seufze ich, „ich kümmere mich…“


Schon habe ich innerhalb kurzer Zeit Aufgaben, die ich mich verpflichtet habe/fühle, sich zu erledigen.


Du merkst, auf was ich hinaus will, oder?! ;)

Es ist das Verstricken in zum Teil unwichtigen Aufgaben, was mich in diesem Augenblick blockiert zum Ende zu kommen. Frei nach dem Motto:


Was weg ist, ist weg.


Klar ist auch

Zuhause warten auch noch Aufgaben & vielleicht auch Arbeit auf dem (gedanklichen) Schreibtisch auf mich. Auch diese Aufgaben sollten bis zu einem bestimmten Termin erledigt sein. Durch meine Neigung, immer alles sofort zu erledigen, bringe ich mich selbst in Zeitnot & erhöhe meinen Stresslevel.

Ein Nicht-Ausräumen der Spülmaschine, ein aktives Liegenlassen der 60 Grad-Wäsche, ein entspanntes Das-lege-ich-auf-den-Steuerunterlagen-Stapel (anstelle von sofort erledigen) kann helfen, innerlich Luft zu holen & zu Atem zu kommen.


Doch woher weiß ich, was liegen bleiben darf & was nicht?


Jetzt habe ich in meinen Beispielen bewusst Einfaches, doch sicherlich Alltägliches genommen. Was ich auch weiß ist, dass diese Haltung zur sofortigen Erledigung von Aufgaben im beruflichen Umfeld weit verbreitet ist. Gepaart mit einem „Nicht-Nein-sagen-können“ schlittert man mit der Zeit in die Überforderung oder gar ein BurnOut – asap (as soon as possible).


Sich gesund abzugrenzen, auch gegenüber dem nächsten Vorgesetzten, ist in diesem Zusammenhang wichtig. Sehr wichtig sogar. Hier gilt es wertfrei & sachlich darzulegen, welche Priorisierung in der Erledigung gewählt werden soll. Denn:


Die Stunde eines Tages kann nur einmal vergeben werden.


Priorisiere ich meine Aufgaben selbst, dann kann mir hier die Eisenhower-Matrix dabei helfen einen passenden Rahmen zu setzen:

In dieser Matrix definiere ich zwei Dimensionen einer Aufgabe

  • Die Wichtigkeit &

  • Die Dringlichkeit

Etwas, was wichtig ist, muss noch lange nicht dringlich sein – beispielsweise das Einrichten eines Dauerauftrages für eine jährliche Versicherungsprämie. Doch etwas kann auch dringlich sein, ohne dabei wirklich wichtig zu sein – einem Kollegen nachträglich zum Geburtstag zu gratulieren zum Beispiel. Selbstverständlich gibt es auch die Dinge, die weder das eine noch das andere sind: Weder dringend noch wichtig. Oder aber beides.

Blumen zu gießen ist (für mein Überleben) weder wichtig noch dringend. Das könnte ich morgen oder nächste Woche auch noch tun. & vielleicht regnet es in der Zwischenzeit? Doch habe ich zugesagt zum Abendessen frischen Fisch zuzubereiten, dann ist es für meine Gäste & mich wichtig & dringend, dass ich diesen Fisch auch an dem Tag besorge beziehungsweise zeitig aus dem Tiefkühlfach nehme.


Aufgaben zu priorisieren, um sich weder in der Aufschieberitis noch im Vorauseilenden Gehorsam zu verlieren, ist eine Herausforderung. Denn habe ich einmal einer Aufgabe eine Priorität gegeben, liegt es an mir, dieser auch zu folgen. Es auszuhalten, dass ich etwas liegen lasse & nicht mal eben schnell nebenbei mit erledige. Oder mich verpflichte, meine Aufgaben auch dann abzuarbeiten, wenn sie anstehen & nicht morgen…


Woher soll ich wissen, was ich denke,

bevor ich gehört habe, was ich sage?


Manch einem fällt es im Austausch mit mir (als Coach & Sparringspartner) leichter seine Aufgaben zu priorisieren. Denn häufig fällt uns das Denken leichter, reden wir dabei :)

Muss ich meine leisen Gedanken mit Wörtern laut ausformulieren, so, dass ein anderer sie versteht, denke ich einerseits langsamer & höre mir später selbst beim Reden zu. Dabei habe ich die Chance zu erkennen, wo eventuell Schwachstellen oder Besonderheiten sind, die ich zuvor nicht bedacht hatte. Als Coach helfe ich meinem Coachee dabei, die getroffenen Vereinbarungen einzuhalten: Meist einfach nur dadurch, dass ich da bin & man sich mir gegenüber äußern wird, was passiert ist & wie es dazu kam.


Coaching ist eine verbindliche Zusammenarbeit

um die definierten Ziele des Coachee im Blick zu behalten.


In welchem Team spielst du eher mit: Team PRO oder PRÄ-krastination?

Persönlich neige ich dazu, Dinge eher sofort zu erledigen. So habe ich diesen Blogbeitrag bereits vor Wochen geschrieben & auf das Veröffentlichungsdatum terminiert. Dann kann ich DAS wenigstens nicht mehr vergessen ;)


Liebe Grüße & bis zum nächsten Mal

Deine

Christine


vom

KOMMUNIKATIONSbuffet







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